PM: Semesterticket zeigt Grundsatzprobleme – Fehlende studentische Selbstverwaltung und unsoziale Fahrpreispolitik

+++ Urabstimmung: „Freistaat Bayern und VGN tragen Verantwortung bei Scheitern“ +++ Entwarnung: „Mit dem Semesterticket wird nicht der Sozialismus an der FAU ausbrechen.“ +++ Alternative: „Kostenfreier Öffentlicher Nahverkehr für alle“

Die Hochschulgruppe SDS Erlangen-Nürnberg erklärt zur laufenden Urabstimmung über das Semesterticket:
„Nein, toll ist das derzeitige Angebot für ein Semesterticket nicht. Wir sehen darin traurigerweise trotzdem eine Verbesserung für die Studierenden im Vergleich zum jetzigen Zustand ohne Semesterticket. Das Hauptproblem ist, dass die Studierenden in Bayern kein eigenes Verhandlungsmandat, keine Verfasste Studierendenschaft, besitzen. Wenn die Urabstimmung scheitern sollte, liegt somit der Großteil der Verantwortung beim Freistaat Bayern. Mit einer Verfassten Studierendenschaft sind nämlich andere solidarische Semesterticket-Modelle denk- und realisierbar. Der Rest der Verantwortung liegt beim Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN), der nicht in der Lage ist, eine soziale Fahrpreispolitik zu gestalten. Neben den Schwächen des aktuellen Semesterticket-Angebots (z.B. die eingeschränkten Fahrtzeiten beim Sockelbetrag) sprechen die regelmäßigen und außerplanmäßigen Preiserhöhungen für sich.“

Die vom Semesterticket aus ihrer Inaktivität aufgeschreckten konservativen und liberalen Hochschulgruppen beruhigen die Sozialismus-ExpertInnen des sozialistischen Studierendenverbandes : „Nach intensiver Auseinandersetzung können wir mit 100%iger Sicherheit und viel Bedauern sagen: Mit diesem Semesterticket wird nicht der Sozialismus an der FAU ausbrechen. Wir finden es scheinheilig, dass Hochschulgruppen, die sich für den Erhalt von 500€ Studiengebühren stark gemacht haben, jetzt gegen „Semesterabzocke“ mobil machen. Wenn sich der RCDS Erlangen für ein bayernweites Semesterticket ausspricht und gleichzeitig die Verfasste Studierendenschaft ablehnt, wird es nur noch zynisch. Wir sind zudem entsetzt über die Diskussionskultur einiger Kommilitonen in sozialen Netzwerken, wo das Semesterticket sogar in eine Tradition mit dem Holocaust gestellt wurde.“

Der SDS Erlangen-Nürnberg fordert unabhängig vom Semesterticket eine stärkere Debatte über die Zukunft des ÖPNV: „Es sollte eigentlich nicht nur um die Mobilität von Studierenden gehen. Auch andere soziale Gruppen wie RenterInnen, SchülerInnen oder Hartz4-EmpfängerInnen sind oftmals auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Mit einem kostenfreien Öffentlichen Nahverkehr für alle könnten wir uns viele Diskussionen über richtige Preise oder Semestertickets sparen. Städte wie Wien oder Tallinn haben es vorgemacht: Ein günstiger oder sogar kostenfreier Öffentlicher Nahverkehr für alle ist möglich. Er muss allerdings politisch gewollt sein.“

Wiener Modell: http://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/kommunales/detailansicht-kommunales/artikel/fuer-einen-euro-taeglich-unbegrenzt-bus-und-bahn-fahren.html
Tallinner Modell: http://derstandard.at/1363707098646/Wer-in-Tallinn-lebt-faehrt-gratis-mit-Oeffis