Rückblick: Anti-Studiengebührendemo


Am 23.Mai war eine Demo gegen Studiengebühren in Erlangen.
Der SDS war sowohl mit Redebeitrag und Transparenten vertreten!

Unser Redebeitrag:

Es gibt bereits viel theoretisches zum Thema soziale Ungleichheit von Studiengebühren. Eindrücklicher könnte allerdings vielleicht ein konkretes Beispiel sein, welches die soziale Ungerechtigkeit von Studiengebühren noch deutlicher macht.

Nehmen wir mal an, dass eine Studentin aus keiner wirklich armen Arbeiterfamilie kommt und dadurch auch kein Bafög erhält. Aufgrund der Differenzen mit ihren Eltern, die der Meinung sind, sie müsse nicht studieren, wird sie von diesen finanziell allerdings auch nicht unterstützt. Da sie nach dem Studium nicht mit einem Berg an Schulden in das unsichere Arbeitsleben starten will, möchte sie kein Darlehen aufnehmen und versucht, sich während des Studiums mit Nebenjobs über Wasser zu halten. Neben dem Studium kellnert sie also abends. Ihre langjährige Freundin wird von ihren Eltern, welche aufgrund ihres akademischen Hintergrundes glauben, ihr Kind solle auch studieren, finanziell vollkommen unterstützt. Schon an diesem Punkt bemerkt man eine gewisse Ungerechtigkeit. Speziell in Erlangen geht das Beispiel allerdings noch weiter.

Anfang des dritten Semesters legt sich die Freundin unserer Studentin nochmals richtig ins Zeug, da sie gehört hat, mit sehr guten Noten könne man in das sogenannte Leonardo-Kolleg aufgenommen werden. Eine Einrichtung, welche sich „am Beispiel großer US-amerikanischer Universitäten“ orientiert und „in dieser Form in Deutschland einmalig“ ist. Auch unsere Studentin interessiert das, findet aber zum Lernen zu wenig Zeit. Während sie abends kellnert, geht ihre Freundin in die Bibliothek zum Lernen – und hat schließlich Erfolg: Sie wird aufgenommen.

Als sich unsere Studentin aber genauer im Internet erkundigt, in welch schönes Kolleg ihre Freundin aufgenommen wurde, beginnt sie sich zu wundern. Die Studiengebühren, die sie sich durch Arbeit finanziert, kommen teilweise nur ihrer Freundin zu Gute, die ihre Eigenen gar nicht selbst zahlen muss. Das Leonardo-Kolleg wird nämlich ausschließlich über Studiengebühren bezahlt. Aber während sich der kellnernde Beruf nicht allzu gut im Lebenslauf unserer Studentin macht, knüpft ihre Freundin Kontakte in dem Kolleg, sodass sie direkt nach dem Master eine Dissertationsstelle an der Exzellenzinitiative einer Partneruniversität erhält. Unsere Studentin hat somit durch ihre Arbeit neben dem Studium ihrer reicheren Freundin die Laufbahn geebnet. Ein Beispiel, das so oder so ähnlich schon oft passiert ist.
Nach so einem Beispiel erinnere ich an die Worte unseres Unipräsidenten Herrn Grüske, der Studiengebühren als sozial verträglich ansieht. Da frag ich mich nun, was Herr Grüske unter sozial verträglich versteht? Dass die arbeitenden Studierenden die Reicheren finanzieren? Dass diese arbeitenden Studierenden die Lebensläufe ermöglichen, welche für sie gleichzeitig zerstört werden? Ein Mensch mit so einer Meinung ist der Präsident meiner Universität? Wenn ich die Wahl hätte, würde ich gegen ihn stimmen!